Thermographie – eine neue Methode zur Diagnostik entzündlicher Gelenkerkrankungen

November 2022 – Ausgabe 40

Schlüsselwörter: Thermographie, Gelenkschmerzen, Entzündung

Entzündungsprozesse sind in der Regel Reaktionen des Körpers auf Überlastungen, Verschleißprozesse und Verletzungen. Die Entzündungsreaktion ist eine sinnvolle physiologische Reaktion, die zur Heilung von Gewebeschäden führt. Die Durchblutungssteigerung führt zu einer Temperaturerhöhung im entzündlich veränderten Gewebe, welche mit der Thermographie erfasst werden kann, wenn die Temperaturerhöhung an der Hautoberfläche eine Differenz von 0,3 Grad im Vergleich zur nicht betroffenen Gegenseite überschreitet.

Neben der Entzündungsreaktion des Gelenks lösen Verletzungen und Verschleißprozesse auch reflektorische muskuläre Verspannungen aus, welche zu schmerzhaften Triggerpunkten führen können. Im Bereich der Triggerpunkte entsteht eine lokale Hyperämie, welche ebenfalls durch die Thermographie dargestellt werden kann. Muskuläre Hyperämien ohne strukturelle Schädigungen sind in der sonstigen üblichen Diagnostik (Sonographie, MRT) nicht darstellbar.

Referenzpunkte der Thermographie sind die korrespondierenden anatomischen Strukturen auf der Gegenseite. Die absoluten Temperaturwerte sind nicht aussagekräftig. Daher ist die Beschwerdefreiheit der Muskel- und Gelenkstrukturen auf der Gegenseite eine einschränkende Vorbedingung der Thermographie-Diagnostik.

Zur Visualisierung der Temperaturverhältnisse wird eine Farbskala herangezogen (weiß-warm, blau-kalt). Darüber hinaus kann direkt über das Kameradisplay an definierten Punkten die Hauttemperatur mit einer Genauigkeit von 0,3 Grad bestimmt werden. Zur detaillierten Auswertung der Maximal-, Minimal- und Durchschnittstemperatur bestimmter umschriebener Hautareale empfiehlt sich die Verwendung einer speziellen Software. Die Datenübermittlung von der Kamera zum PC erfolgt über eine USB- Verbindung (Abb. 1).

Die Vorteile der Thermographie-Untersuchung sind:

  • nicht invasiv
  • keine Strahlenbelastung
  • beliebig oft wiederholbar
  • kostengünstig
  • sofortige Verfügbarkeit der Messwerte
  • verständliche Visualisierung des Schweregrades der Entzündung für den Patienten
  • Untersuchung der gesamten Funktionskette
  • Verlaufskontrollen zur Beurteilung des Behandlungseffektes

Fehlerquellen können sich durch abstrahlende Wärmequellen in der Umgebung (z. B. Sonographie-Gerät, PC), Verkippung der Kamera und lokale Behandlungen/ Manipulationen der Haut ergeben. Einschränkende Vorbedingung ist wie bereits erwähnt die intakte, beschwerdefreie anatomische Struktur auf der Gegenseite. Die Untersuchung sollte vor einer neutralen Fläche im Abstand von etwa einem Meter senkrecht zur Körperoberfläche erfolgen. Die Thermographie ist eine nebenwirkungsfreie, nicht invasive, sofort verfügbare diagnostische Methode, die beliebig oft zur Verlaufskontrolle der Behandlung wiederholt werden kann.

Die Thermographie wird im Rahmen der üblichen Standard-Untersuchung des Gelenks als zusätzliches diagnostisches Verfahren eingesetzt, wobei der Fokus auf der Beurteilung des Schweregrades einer entzündlichen Reaktion liegt. In der Regel ist der Untersuchungsgang so, dass nach Anamnese, körperlicher Untersuchung und Sonographie die Thermographie zum Einsatz kommt, bevor wir eine Röntgendiagnostik oder MRT- Untersuchung veranlassen. Die isolierte Thermographie kann keinen anatomischen Gewebeschaden nachweisen, sondern lediglich seine reaktive Entzündung. Daher ist immer eine Korrelation zwischen direkter anatomischer Bildgebung und Thermographie erforderlich.

Von Thomas Ambacher

Schlüsselwörter: Thermographie, Gelenkschmerzen, Entzündung

Entzündungsprozesse sind in der Regel Reaktionen des Körpers auf Überlastungen, Verschleißprozesse und Verletzungen. Die Entzündungsreaktion ist eine sinnvolle physiologische Reaktion, die zur Heilung von Gewebeschäden führt. Die Durchblutungssteigerung führt zu einer Temperaturerhöhung im entzündlich veränderten Gewebe, welche mit der Thermographie erfasst werden kann, wenn die Temperaturerhöhung an der Hautoberfläche eine Differenz von 0,3 Grad im Vergleich zur nicht betroffenen Gegenseite überschreitet.