Mai 2026 – Ausgabe 47
Telemedizin in der Kardiologie – Home Monitoring bei Herzinsuffizienz im ATOS MVZ KANT KARDIO
Dr. med. Fabian Dirks
Dr. med. David Sinning, MHBA
Die chronische Herzinsuffizienz zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen für Morbidität und Mortalität. Sie führt zudem zu erheblichen Kosten – auch durch wiederholte Krankenhausaufenthalte. Telemedizinische Versorgungsmodelle haben sich als vielversprechende Strategie etabliert, um die Versorgung dieser Hochrisikopatienten zu verbessern und Hospitalisierungen zu reduzieren.
Deutschland nimmt hierbei eine besondere Stellung ein, seit der Gemeinsame Bundesausschuss (G‑BA) im Jahr 2020 das Telemonitoring für Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz in die Regelversorgung aufgenommen hat. Mit der Einführung eines strukturierten Telemonitorings bei Herzinsuffizienz erweitert das ATOS MVZ KANT KARDIO sein Portfolio und adressiert damit gezielt eine Patientengruppe mit hoher kardiovaskulärer Ereignislast. Das telemedizinische Management ermöglicht ein engmaschiges Monitoring von Vitalparametern in der häuslichen Umgebung und eine frühzeitigere Intervention bei klinischer Verschlechterung.
Die chronische Herzinsuffizienz stellt weltweit eine der häufigsten Ursachen für Morbidität und Mortalität dar und verursacht erhebliche Kosten im Gesundheitssystem. Telemedizinische Versorgungsmodelle haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten als vielversprechende Strategie zur Verbesserung der Patientenversorgung und Reduktion von Krankenhausaufenthalten etabliert. Deutschland nimmt dabei international eine Vorreiterrolle ein, nachdem der G-BA im Jahr 2020 die Telemedizin als Standardintervention für Hochrisikopatienten mit reduzierter linksventrikulärer Ejektionsfraktion in die Regelversorgung aufgenommen hat [1]. Dabei gilt es, die regelmäßige Abfrage von aktiven kardialen Rhythmusimplantaten (Implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICDs) und Kardiale Resynchronisationstherapien (CRTs)) vom Management der Herzinsuffizienz mittels Telemedizin zu unterscheiden (Infobox 1).
Die telemedizinische Nachsorge von ICD- und CRT-Implantaten ist seit längerer Zeit eine Standardleistung in der Kardiologie und wird auch im ATOS MVZ KANT KARDIO bereits erfolgreich durchgeführt. Mit dem Telemonitoring bei Herzinsuffizienz erweitert das ATOS MVZ KANT KARDIO nunmehr sein medizinisches Leistungsangebot.
Medizinische Relevanz
Das telemedizinische Herzinsuffizienzmanagement ermöglicht die engmaschige und tagesaktuelle Überwachung von Vitalparametern, wodurch eine deutlich frühzeitigere Intervention bei klinischer Verschlechterung ermöglicht werden kann. Für die medizinische Überwachung werden hierbei entweder die bereits erwähnten Rhythmusimplantate selbst oder externe Geräte wie EKG, Waage und Blutdruckmessgerät verwendet; die externen Geräte werden den Patienten in der häuslichen Umgebung zur Verfügung gestellt.
Die Landmark-Studien IN-TIME und TIM-HF2 demonstrierten eindrucksvoll die Wirksamkeit: Patienten übermittelten täglich Körpergewicht, systolischen und diastolischen Blutdruck, Herzfrequenz, Herzrhythmusanalyse, periphere Sauerstoffsättigung und einen selbstbewerteten Gesundheitsstatus an ein telemedizinisches Zentrum (TMZ). Das TMZ analysierte die Daten und teilte Empfehlungen mit den behandelnden Ärzten basierend auf vordefinierten Algorithmen. Die Studien konnten insbesondere eine signifikante Reduktion der Gesamtmortalität und eine Reduktion der durch kardiovaskuläre Hospitalisierungen und Gesamtmortalität verlorenen Tage zeigen [2][3].
Die erfolgreiche Implementierung einer solchen telemedizinischen Infrastruktur erfordert mehrere Schlüsselkomponenten: zeitnahe Datenübermittlung, Empfang der Informationen durch qualifiziertes Personal, das die Daten analysieren und darauf reagieren kann, eine Rückkopplungsschleife zur Patientin bzw. zum Patienten sowie eine ausreichende Patientenedukation zur Umsetzung der Empfehlungen. Entscheidend für den Erfolg ist hierbei auch die multidisziplinäre Zusammenarbeit durch Kooperation zwischen allen. Ebenfalls besteht die Möglichkeit zur Einbindung und Unterstützung durch in der Praxis tätiges medizinisches Fachpersonal (MFAs, ggf. mit spezieller Zusatzausbildung „Herzinsuffizienz-Assistenz“).
Praktische Umsetzung beim ATOS MVZ KANT KARDIO
Seit Anfang 2026 arbeitet das ATOS MVZ KANT KARDIO mit dem Berliner Digital- Health-Unternehmen Noah Labs zusammen. Die Daten von kardiologischen Implantaten aller gängigen Hersteller sowie von externen Messgeräten werden auf einer zentralen Browseroberfläche gebündelt (Abb. 1).
Für das Behandlungsteam entfällt damit der zeitaufwendige Wechsel zwischen verschiedenen Herstellerportalen [4][5][6]. Die verwendeten externen Messgeräte werden seitens Noah Labs zur Verfügung gestellt und sind bereits mit Mobilfunk-Chips ausgestattet; für die Patienten entfällt dadurch eine Einrichtung von WLAN oder Smartphone-Apps. Die Geräte übertragen vollautomatisch Blutdruckwerte, EKG sowie Gewicht und fragen zudem täglich den Gesundheitszustand und Symptome ab (Abb. 2).
Die genutzte Infrastruktur bietet zusätzlich die Möglichkeit, im Rahmen der Regelversorgung patientennahe Studien durchzuführen. Ein Beispiel hierfür ist eine Technologie, die das Potenzial KI-gestützter Stimmanalysen zur Früherkennung von kardialen Dekompensationen untersucht [7].
Kosten, Kosteneffektivität und Abrechenbarkeit
Die telemedizinische Betreuung einer bestimmten Gruppe von Herzinsuffizienzpatienten (Infobox 2) ist in Deutschland seit 2020 über spezifische EBM-Ziffern abrechenbar; für die Patienten selbst entstehen keinerlei Kosten, da diese in Deutschland vollumfänglich durch die Krankenkassen übernommen werden. Eine deutsche Real-World-Studie konnte zeigen, dass Telemonitoring zu einer signifikanten Reduktion der stationären Kosten von bis zu 1.160 € im dritten Jahr führte – bei gleichzeitiger Verbesserung der Gesamtmortalität [8]. Für die privatärztliche Abrechnung nach GOÄ existieren analoge Abrechnungsmöglichkeiten, die Vergütung orientiert sich an den Leistungen der GOÄ und berücksichtigt den technischen und personellen Aufwand.
Fazit
Telemedizinisches Herzinsuffizienzmanagement hat sich von einem innovativen Konzept zu einem festen Bestandteil der kardiologischen Regelversorgung entwickelt und verbessert Prognose, Lebensqualität und Versorgungsökonomie einer klar definierten Hochrisikogruppe. Evidenz aus randomisierten Studien und Real-World-Daten zeigt eine signifikante Reduktion von Mortalität und Hospitalisierungen sowie eine Entlastung der stationären Ressourcen. Mit der Kooperation zwischen dem ATOS MVZ KANT KARDIO und Noah Labs stehen die technischen und strukturellen Voraussetzungen zur Verfügung, um diese evidenzbasierte Versorgungsform alltagsnah in der Berliner Praxis umzusetzen. Entscheidend bleibt, dass Technik, ärztliche Expertise, multidisziplinäre Zusammenarbeit und Patientenedukation konsequent verzahnt werden, damit Telemedizin ihr Potenzial als integraler Baustein einer modernen sektorenübergreifenden Kardiologie voll ausschöpfen kann.


