Mai 2026 – Ausgabe 47
Robotergestützte Knieendoprothetik: Präzision und funktionelles Alignment am Beispiel des ROSA®-Systems
Prof. Dr. med. Ralf Dieckmann
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Die roboterassistierte Kniegelenkchirurgie hat sich in den letzten Jahren als etablierte Technologie in der Endoprothetik zunehmend durchgesetzt. Inzwischen steht eine Vielzahl robotergestützter Systeme namhafter Hersteller zur Verfügung. Auch am ATOS Orthoparc Köln wird seit Kurzem das ROSA®-System (Zimmer Biomet) eingesetzt.
Aktuelle Studien zeigen, dass Knie-Totalendoprothesen (Knie-TEP), die mit robotergestützter Technologie implantiert werden, eine höhere Implantationspräzision aufweisen (Mostafa et al. 2025) und in Teilen mit einer verbesserten funktionellen Erholung nach drei Monaten assoziiert sind (Tran et al., Arthroplasty, 2025). Parallel zu diesen Ergebnissen ist die Anzahl robotergestützter Kniegelenkoperationen in den letzten Jahren deutlich angestiegen.
Ein wesentlicher Vorteil der robotergestützten Technologie liegt in der präzisen Umsetzung moderner Alignment-Strategien. Den bisherigen „Goldstandard“ stellt das mechanische Alignment dar, bei dem eine neutrale Beinachse von 180° angestrebt wird. Dieses Konzept berücksichtigt jedoch nur unzureichend die natürliche Variabilität der Beinachsen und Gelenkwinkel in der Normalbevölkerung. In der Folge können asymmetrische Knochenresektionen und ligamentäre Instabilitäten entstehen.
Anatomische und funktionelle Alignment Konzepte zielen darauf ab, die präarthrotische individuelle Beinachse und Gelenkgeometrie zumindest näherungsweise zu erhalten. Mit konventionellen Operationstechniken ist eine derart präzise Umsetzung nur eingeschränkt möglich. Die robotergestützte Implantation erlaubt hingegen eine hochgenaue Rekonstruktion unter Berücksichtigung der gewählten Alignment-Strategie und der individuellen Bandspannung (Mostafa et al. 2025).
Das ROSA-System der ATOS Klinik Orthoparc Köln zeichnet sich insbesondere durch die prä- und intraoperative Planung in Echtzeit aus. Während des Eingriffs erfasst das System kontinuierlich die räumliche Lage des Beins und des Kniegelenks. Auf dieser Grundlage werden Implantatgröße, Rotation und Resektionsführung präzise geplant. Studien belegen eine signifikant höhere Genauigkeit der Komponentenplatzierung im Vergleich zu konventionell implantierten Knie-TEPs. Der Operateur kann intraoperativ verschiedene Alignment-Strategien mit der resultierenden Bandspannung abgleichen und das individuell optimale biomechanische Ergebnis einstellen.
Fallbericht
Eine 72-jährige Patientin stellte sich mit einer seit Jahren progredienten Gonarthrose vor. Durch eine umfassende konservative Therapie, einschließlich intraartikulärer Hyaluronsäure- und Kortikosteroidinjektionen, ließ sich zuletzt nur noch eine kurzfristige Linderung erzielen. Klinisch imponierte eine zunehmende varische Beinachse von 9° (Abb. 1).
Die Untersuchung zeigte ein gut bewegliches Kniegelenk mit ausgeprägter varischer Instabilität sowie reproduzierbaren Schmerzen im medialen und lateralen Kompartiment. Aufgrund der ausgeprägten Fehlstellung und der ligamentären Situation wurde die Indikation zur robotergestützten Knie-TEP unter Verwendung des ROSA-Systems gestellt.
Ziel war die Umsetzung eines funktionellen Alignment-Konzepts mit einer geplanten postoperativen Beinachse von 3° Varus unter Berücksichtigung der individuellen Bandspannung. Mithilfe der robotergestützten Planung und Umsetzung konnte die angestrebte Achsstellung intraoperativ präzise realisiert werden (Abb. 2).
Bereits sechs Wochen postoperativ zeigte sich in der klinischen Nachuntersuchung eine aktive Kniebeugung von 120° bei vollständiger Streckfähigkeit. Die Patientin berichtete über vollständige Schmerzfreiheit und eine deutliche Verbesserung der funktionellen Belastbarkeit.
Fazit
Die robotergestützte Knie-TEP ermöglicht eine präzise, patientenspezifische Umsetzung moderner Alignment-Strategien unter Berücksichtigung der ligamentären Balance. Am Beispiel des ROSA-Systems zeigt sich, dass auch bei ausgeprägten Achsabweichungen reproduzierbare biomechanische Ergebnisse mit früher funktioneller Verbesserung und Schmerzreduktion erzielt werden können. Weitere prospektive Studien sind erforderlich, um den langfristigen klinischen und ökonomischen Nutzen abschließend zu bewerten.
„Auch bei ausgeprägten Achsabweichungen können mit dem ROSA®-System reproduzierbare biomechanische Ergebnisse erzielt werden.“

