Mai 2026 – Ausgabe 47
„Physician Assistants“ – ein neues Berufsbild an der ATOS Klinik Heidelberg
Abb. 1: Die Physician Assistants des Deutschen Gelenkzentrums: Christina Bleh, Michelle Henniger (stud.) und Jennifer Gollan (v.l.n.r)
Drei Jahre berufsbegleitend studieren, sich dabei viele Themen selbst erarbeiten, abschließend eine Bachelorarbeit schreiben – wer Physician Assistant werden will, muss viel Eigeninitiative und Disziplin mitbringen. Aber der Einsatz lohne sich, berichtet Jennifer Gollan, Physician Assistant im Deutschen Gelenkzentrum an der ATOS Klinik Heidelberg.
Gemeinsam mit ihrer Kollegin Christina Bleh übernimmt sie viele Aufgaben, die sonst von Assistenzärzten durchgeführt werden, und unterstützt das Ärzteteam. Physician Assistants (PA) arbeiten in der ATOS Klinik in der Praxis ebenso wie auf Station und im OP. Sie übernehmen Anamnesen, Teile der Patientenaufklärung und Visiten, assistieren im OP und in der Sprechstunde oder führen Untersuchungen und Blutabnahmen durch. In internistischen Praxen und Kliniken sind das Management chronischer Erkrankungen und das Erstellen von Behandlungsplänen ebenfalls Aufgabenfelder für PAs.
Mit Michelle Henninger und Anna Altmann sind derzeit zwei weitere PAs, die an der ISBA studieren, im Gelenkzentrum in Ausbildung – ein klarer Hinweis darauf, dass dieses relativ neue Berufsbild auch für die Arbeitgeber ein Erfolgsmodell ist.
Jennifer Gollan, ursprünglich Medizinische Fachangestellte im Deutschen Gelenkzentrum, war schon lange interessiert an einer Weiterbildung. „Für MFAs werden aber überwiegend Fortbildungen im Bereich Praxismanagement angeboten, für meinen Wunsch, mich medizinisch und für Tätigkeiten an Patienten weiterzubilden, habe ich lange nichts gefunden“, berichtet Jennifer Gollan. Dann entdeckte sie am Bismarckplatz, also direkt vor der ATOS Klinik Heidelberg, ein Werbeplakat der ISBA Heidelberg für das berufsbegleitende Studium zum Physician Assistant. Das Deutsche Gelenkzentrum wurde Praxispartner der ISBA; Jennifer Gollan konnte an ihrem Arbeitsplatz bleiben und berufsbegleitend studieren.
Während der Studienzeit lernt man auch andere medizinische Arbeitsfelder kennen; so gehören Praxisphasen in Kliniken, z. B. in der Notaufnahme, zum Ausbildungsplan. PAs können mit ihrer breit angelegten Ausbildung in allen ambulanten Versorgungsfeldern in Praxen oder MVZ ebenso arbeiten wie in Akutkrankenhäusern und Rehakliniken. Im stationären Bereich sind PAs z. B. in der Notaufnahme, in der Funktionsdiagnostik, aber auch in der Anästhesie und Intensivmedizin zu finden.
Für wen eignet sich das berufsbegleitende Studium zum PA?
Fußend auf ihren eigenen Erfahrungen meint Jennifer Gollan: „Man sollte wissbegierig sein, gerne über den Tellerrand schauen und die Bereitschaft mitbringen, viel Zeit und Eigeninitiative zu investieren. Besonders wenn man in einer so hoch spezialisierten Praxis arbeitet wie ich, muss man sich viele andere medizinische Themen in Eigenregie erarbeiten. Wer aber gerne selbstständig lernt und denkt, ist in diesem Studiengang richtig. Ich habe mir z. B. die Zeit in der Kliniknotaufnahme aufgeteilt: Die erste Hälfte habe ich ziemlich am Anfang meines Studiums absolviert, um zu schauen, wie ich mich in einer größeren Klinik fühle und wie ich mit akut und schwer Erkrankten klarkomme und um mich fürs Lernen und die vielen neuen Themen zu motivieren. Als ich gegen Ende des Studiums dann erneut in die Notaufnahme kam, konnte ich viel Gelerntes umsetzen, und es hat sich bestätigt, dass dieses Berufsbild genau das Richtige für mich ist.“
Der Weg zum Physician Assistant an der ISBA
Die Internationale Studien- und Berufsakademie ISBA bietet außer in Heidelberg an den Standorten Erfurt, München, Münster, Saarbrücken und ab Oktober 2026 auch in Leipzig das berufsbegleitende Studium zum Physician Assistant mit Abschluss Bachelor (B. Sc.) an. Das Studium dauert fünf Semester, zusätzlich wird ein modular aufgebauter Vorkurs angeboten, und richtet sich an Fachkräfte mit einer abgeschlossenen Ausbildung in einem nicht ärztlichen Medizinalfachberuf, z. B. MFA, ZFA, Krankenpfleger und Rettungssanitäter, aber auch an Physiotherapeuten oder Pharmazeutisch-technische Assistenten. Unterrichtet wird hybrid mit Präsenzblöcken, meist zwei Vorlesungsblöcke im Monat freitags und samstags ganztägig. Die Studierendengruppen sind klein; zusammen mit Jennifer Gollan schlossen etwa 20 weitere PAs das Studium ab. Wer keine medizinische Fachausbildung hat, kann ab Herbst 2026 an der ISBA auch als Berufseinsteiger ein duales Studium zum Physician Assistant mit Bachelorabschluss aufnehmen; dieses dauert dann sieben Semester und wird von der ISBA in Leipzig angeboten.
„Die Ausbildung von Physician Assistants mit Bachelorabschluss ist eine Erfolgsgeschichte für das Deutsche Gelenkzentrum: Wir bekommen motivierte und qualifizierte Mitarbeiter, die den Ärzten eine Menge Tätigkeiten abnehmen, weil sie sehr selbstständig arbeiten können.“

