Mai 2026 – Ausgabe 47
Hightech im Labor – was ist neu? ATOS Labor Berlin: Wo Technologie auf Präzisionsmedizin trifft
Prof. Dr. med. Mathias Zimmermann
Wer an medizinische Spitzenversorgung denkt, hat meist den behandelnden Arzt im Fokus. Doch die entscheidenden Weichen für die korrekte Diagnose werden oft im Hintergrund gestellt. In diesem Beitrag zeigen wir, wie ein hoch spezialisiertes niedergelassenes Labor die Patientenversorgung revolutioniert: mit digitaler High-Speed-Datenübertragung, einem ausgefeilten Logistiksystem und einer strengen Eingangskontrolle, bevor die High-End-Analysegeräte übernehmen. Ein Report über Präzision, die Leben retten kann.
Schon beim Betreten der Räumlichkeiten in Berlin-Zehlendorf wird klar: Dies ist kein mklassisches Krankenhauslabor, sondern ein eigenständiges, hochmodernes Medizinisches Versorgungszentrum für Laboratoriumsmedizin. Mit einem eigenen KV-Sitz ausgestattet, versorgt das Team um Laborleiter Alexander Volkwein M. Sc. Und den Ärztlichen Leiter Prof. Dr. med. Mathias Zimmermann schwerpunktmäßig niedergelassene Arztpraxen der Region.
Das Spektrum der Einsender reicht von Internisten (Gastroenterologie, Kardiologie, Nephrologie, Rheumatologie) über Allgemeinmediziner und Hausärzte bis hin zu großen orthopädischen Zentren. Das Ziel ist ambitioniert: sowohl gesetzlich als auch privat versicherten Patienten eine Diagnostik auf Universitätsniveau zu bieten – und das im ambulanten Sektor. Dafür sorgt ein interdisziplinäres Team aus insgesamt neun Experten, darunter ein Facharzt für Laboratoriumsmedizin, ein Master of Science in Molecular and Cell Biology sowie spezialisierte Naturwissenschaftler und medizinische Technologen (MTL).
Datenautobahn und Materialversorgung: Service beginnt vor der Probe
Bevor überhaupt das erste Probenröhrchen im Analysegerät landet, greifen im ATOS Labor digitale und logistische Prozesse nahtlos ineinander. „Hightech beginnt für uns nicht erst am Gerät, sondern bereits bei der Kommunikation zwischen Einsender und Labor“, erklärt uns vor Ort der operative Laborleiter Alexander Volkwein. Über ein modernes elektronisches Order-Entry-System ist das Labor direkt mit den jeweiligen Arztinformationssystemen (AIS) der einsendenden Praxen verbunden. Patientendaten und Aufträge gelangen so in Echtzeit und fehlerfrei ins Labor.
Doch Daten sind nicht alles – die Probe muss auch sicher im Labor ankommen. Hier bietet das Labor seinen Einsendern ein „Rundum-sorglos-Paket“: Damit die Präanalytik stimmt, versorgt das Labor die Praxen vorab mit dem kompletten notwendigen Laborbedarf, von den korrekten Röhrchen bis hin zu passenden Blutabnahmesystemen.
Logistik nach Maß: Sicherer Transport im Takt der Praxis
Sobald die Blutproben in der Praxis gewonnen wurden, greift ein ausgefeiltes Logistiksystem. Speziell geschulte Fahrer steuern die Praxen zu individuell vereinbarten Zeiten an – je nach Bedarf einmal oder mehrmals täglich. Der Transport erfolgt dabei streng nach den Vorgaben der Biostoffverordnung in temperaturregulierten Spezialboxen per Pkw. So ist garantiert, dass empfindliches Probenmaterial unversehrt und zeitnah im Labor eintrifft.
Der Qualitätscheck: Kein Blindflug für die Geräte
Im Labor angekommen, wandern die Proben jedoch nicht sofort in die Messgeräte. Bevor die Analytik startet, erfolgt ein entscheidender „Human Check“ durch das Fachpersonal. Jedes Röhrchen wird einer visuellen und technischen Eingangsprüfung unterzogen: Ist das Röhrchen bis zur Markierung korrekt gefüllt? Sind feine Mikrokoagel (kleinste Gerinnsel) erkennbar, die das Messergebnis verfälschen könnten? Wurde überhaupt das korrekte Material für die angeforderte Untersuchung eingesandt? Erst wenn diese präanalytische Prüfung bestanden ist, wird die Probe zur Messung freigegeben. Dieser Schritt garantiert, dass analytische Qualität durch validiertes Probenmaterial auch sichergestellt wird.
Der Maschinenpark: Präzision im Hochdurchsatz
Im Herzstück des Labors übernehmen dann Analysegeräte der neuesten Generation. Für die klinische Chemie und Immunologie setzt das ATOS Labor auf den Roche Cobas Pure und den Liaison XL der Firma Diasorin. Diese „Alleskönner“ analysieren parallel Enzyme, Elektrolyte, Fette, Antikörper, Vitamine und Hormone. Direkt daneben arbeitet der Sysmex XN-1000 an der differenzierten Blutbildanalytik, während ein Tosoh HPLC-System den HbA1c-Wert (Langzeitblutzucker) via Goldstandard-Methode bestimmt – unverzichtbar für eine verlässliche Diabeteseinstellung. Ein technologisches Highlight ist die molekularbiologische Abteilung: Mit der Mic-PCR-Plattform (Bio Molecular Systems) können aus einem einzigen Abstrich über 20 verschiedene virale und bakterielle Erreger von Atemwegsinfektionen gleichzeitig identifiziert werden – ein massiver Zeitvorteil in der Infektionssaison.
Medizinischer Mehrwert: Vom Symptom zur Ursache
Die technische Ausstattung ermöglicht weit mehr als die Bestimmung von einzelnen Standardwerten. Das Labor hat sich auf Profile spezialisiert, die tiefere Einblicke in die Gesundheit erlauben („Deep Phenotyping“):
Herz- & Kreislaufgesundheit
Neben den klassischen Blutfetten werden Risikomarker wie Lipoprotein(a), Homocystein und der Herzinsuffizienzmarker NT-proBNP bestimmt.
Stoffwechselanalytik
Zur Früherkennung von Diabetes und metabolischen Syndromen analysiert das Labor Insulin und C-Peptid inklusive HOMA-Index.
Knochengesundheit
Für die orthopädischen Zuweiser bietet das Labor eine High-End-Osteoporose-Diagnostik. Spezifische Marker wie Ostase und Osteocalcin geben zusammen mit Parathormon und Vitamin D Aufschluss über den Knochenumbau.
Nierengesundheit
Die Bestimmung von Kreatinin und Cystatin C liefert präzise Informationen zur Nierenfunktion. Diese Parameter erlauben eine frühzeitige Erkennung von Nierenfunktionsstörungen und sind essenziell für das Therapiemanagement bei Risikopatienten.
Lebergesundheit
Ein umfassendes Leberprofil beinhaltet die Analyse von Enzymen wie ASAT, ALAT, gamma-GT, alkalischer Phosphatase (AP), Bilirubin und Cholinesterase. Dadurch können Lebererkrankungen differenziert erkannt werden, und der Verlauf kann zuverlässig beurteilt werden.
Schilddrüsen-Check-up
Die Laborparameter TSH (Thyreoideastimulierendes Hormon), freies T3 (fT3; Tri-Iodthyronin) und freies T4 (fT4; Thyroxin) bilden die Basis für einen aussagekräftigen Schilddrüsenstatus. So lassen sich sowohl Über- als auch Unterfunktionen zeitnah diagnostizieren und therapieren.
Longevity & Prävention
Um gesundes Altern zu unterstützen, rücken Spurenelemente (wie Magnesium, Zink, Selen) sowie der Vitaminstatus (Vitamin B12, Folsäure) in den Fokus.
Geschlechtshormonanalytik
Das Labor bietet eine umfassende Analyse der Geschlechtshormone an. Dazu zählt die Bestimmung des weiblichen Hormons Östradiol, des männlichen Hormons Testosteron sowie des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG), einem der Haupttransportproteine für Geschlechtshormone im Blut. Hormonuntersuchungen sind insbesondere bei endokrinologischen Erkrankungen von großer Bedeutung und können außerdem bei in den „Wechseljahren“ helfen, klinische Symptome abzuklären und gezielt zu therapieren.
Molekulargenetische und serologische Infektionsdiagnostik
Im Bereich der Infektionsdiagnostik werden sowohl direkte als auch indirekte Nachweisverfahren eingesetzt. Mittels nasopharyngealer Abstriche können virale und bakterielle Erreger direkt nachgewiesen werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, Erreger indirekt über spezifische, im Körper gebildete Antikörper (IgM, IgA und IgG) zu identifizieren, wie etwa bei Infektionen mit HIV, HAV, HBV, HCV, Borrelien oder Chlamydien.
Qualität mit Brief und Siegel
Dass hinter dieser Schnelligkeit keine Kompromisse bei der Sicherheit stehen, wird durch ein strenges Qualitätsmanagement garantiert. Das Labor arbeitet strikt nach den Richtlinien der Bundesärztekammer (RiliBÄK) zur Qualitätssicherung medizinischer Laboratorien. Die Einhaltung dieser hohen Standards wird regelmäßig durch Begehungen unterschiedlicher Behörden überprüft und bestätigt, darunter das Landesamt für Eich- und Messwesen Berlin/Brandenburg sowie das Gesundheitsamt Berlin-Zehlendorf. Zudem nimmt das Labor regelmäßig an externen Qualitätssicherungsprogrammen teil, z. B. an Ringversuchen. Dabei handelt es sich um vergleichende Laboruntersuchungen, bei denen mehrere unabhängige Labore identische Proben analysieren. Ziel ist es, die Richtigkeit und Zuverlässigkeit der eigenen Messverfahren objektiv zu überprüfen. Diese Ergebnisse werden an die Ringversuchsorganisation zurückgemeldet, die mit den erhaltenen Ergebnissen einen statistischen Vergleich mit allen einsendenden Laboren und den entsprechenden Zielwerten durchführt. Nach der Auswertung erhält das Labor einen Bewertungsbericht („bestanden“ oder „nicht bestanden“, inklusive einer Abweichungsanalyse). Ein Teil der zu prüfenden Parameter, für die die Labore solche Ringversuche realisieren, ist gesetzlich vorgeschrieben. Das ATOS Labor Berlin möchte seinen Einsendern jedoch mehr diagnostische Sicherheit anbieten, sodass wir für alle medizinischen Laboruntersuchungen, die wir bei uns laborintern durchführen und für die ein solcher Ringversuch existiert (verpflichtend oder optional), diese Qualitätssicherungsverfahren regelmäßig absolvieren.
Fazit: Dynamisches Wachstum
Das Konzept aus Qualität, Service und Hightech kommt an: Innerhalb des ersten Jahres nach Gründung hat sich die Anzahl der selbst durchgeführten Untersuchungen bereits vervierfacht. „Wir sehen das erst als den Anfang“, resümiert der Ärztliche Leiter Prof. Dr. med. Mathias Zimmermann. Ziel ist es, das angebotene Spektrum stetig zu erweitern und neue Geräteplattformen zu implementieren, um den einsendenden Praxen einen immer umfassenderen diagnostischen Service bieten zu können. Hightech im Labor ist kein Selbstzweck, sondern der Schlüssel zu einer präziseren und schnelleren Diagnosestellung für Patienten.

